Third Places

Third Places: dritte Orte und wo du sie findest

Ein Third Place ist der Ort zwischen Zuhause und Arbeit, an dem Gemeinschaft entsteht: das Café, in dem man dich kennt, der Park mit den immer gleichen Gesichtern, die Stammkneipe, der Verein. Der Soziologe Ray Oldenburg hat den Begriff 1982 geprägt und 1989 in seinem Buch The Great Good Place ausgearbeitet. Diese Seite erklärt, was einen dritten Ort ausmacht, und zeigt dir echte Beispiele in 48 deutschen Städten.

Erster, zweiter und dritter Ort

Oldenburgs Einteilung ist simpel: Der erste Ort ist das Zuhause, der zweite die Arbeit. Beide sind wichtig, aber in beiden hast du eine feste Rolle und feste Verpflichtungen. Der dritte Ort ist der Rest: öffentlich, freiwillig, ohne Rolle. Dort triffst du Menschen, die du dir nicht ausgesucht hast, und genau darin liegt sein Wert.

Die acht Merkmale nach Oldenburg

Oldenburg beschreibt acht Eigenschaften, an denen sich ein echter dritter Ort erkennen lässt. Je mehr davon zutreffen, desto eher entsteht dort Gemeinschaft.

1

Neutraler Boden

Niemand ist Gastgeber, niemand ist Gast. Du kommst und gehst, wann du willst, ohne dich anzukündigen oder zu verabschieden.

2

Alle sind gleich

Status von draußen zählt drinnen nicht. Was du beruflich machst, spielt am Tresen oder auf der Parkwiese keine Rolle.

3

Das Gespräch ist die Hauptsache

Es wird geredet, nicht konsumiert. Der Kaffee ist der Anlass, nicht der Zweck.

4

Erreichbar und offen

Zu Fuß oder kurz mit dem Rad, zu Zeiten, die zum Alltag passen. Ein Ort, für den man eine Anfahrt planen muss, wird selten zum dritten Ort.

5

Es gibt Stammgäste

Ein Kern von Leuten, die regelmäßig da sind und den Ton setzen. Sie machen aus einem Lokal eine Runde.

6

Der Ort hält sich zurück

Unspektakulär, oft ein bisschen abgenutzt. Designte Orte schüchtern ein, gewachsene laden ein.

7

Die Stimmung ist verspielt

Der Ton ist leicht, geneckt wird auch. Wo es feierlich zugeht, entspannt sich niemand.

8

Es fühlt sich an wie ein zweites Zuhause

Du weißt, wo die Tassen stehen. Du gehörst dazu, ohne Mitglied zu sein.

Warum dritte Orte seltener werden

Die Orte selbst verschwinden nicht einfach, sie verlieren ihre Funktion. Ein Café mit Laptop-Reihen und Kopfhörern ist ein Büro mit Kaffeeausschank, kein dritter Ort. Ein Lokal ohne Stammgäste ist ein Betrieb, keine Runde.

Was den Unterschied macht

Drei Entwicklungen ziehen gleichzeitig an demselben Faden. Erstens der Konsumzwang: Orte, an denen Aufenthalt ohne Verzehr unerwünscht ist, schließen einen Teil der Nachbarschaft aus. Zweitens die Verlagerung nach drinnen und nach online, wo man sich aussucht, mit wem man zu tun hat, was der Idee des dritten Ortes direkt widerspricht. Drittens die Miete, die genau die unspektakulären, gewachsenen Läden zuerst trifft.

Bibliotheken sind deshalb die stabilsten dritten Orte, die Deutschland noch flächendeckend hat: kostenlos, offen für alle, ohne Konsumzwang, lange geöffnet. Nur beim Merkmal Gespräch als Hauptbeschäftigung haben sie es naturgemäß schwer.

Aus einem Ort wird erst durch dich ein dritter Ort

Der praktische Teil ist unspektakulär: Ein dritter Ort entsteht durch Wiederholung. Derselbe Markt, dieselbe Uhrzeit, derselbe Stand. Dieselbe Kneipe statt fünf verschiedene. Dieselbe Parkwiese am Sonntag. Nach dem dritten oder vierten Mal wirst du erkannt, und ab da läuft es von selbst.

Deshalb ist der häufigste Fehler nicht die Wahl des Ortes, sondern die Abwechslung. Wer jede Woche etwas Neues ausprobiert, sammelt Erlebnisse, aber keine Bekanntschaften.

Und wenn du nicht allein hingehen willst

Ein dritter Ort funktioniert am besten, wenn dort schon jemand ist, den du kennst. Genau dafür gibt es die App: Du siehst offene Gruppen-Treffen in deiner Nähe, vom Coffee Walk über den Spieleabend bis zur Wanderung, und kannst mit einem Tap dazukommen oder selbst eines an deinem Lieblingsort aufmachen.

Häufige Fragen zu dritten Orten

Was ist ein Third Place einfach erklärt?

Ein öffentlicher, informeller Treffpunkt außerhalb von Zuhause (erster Ort) und Arbeit (zweiter Ort), an dem man regelmäßig, freiwillig und ohne Verabredung Leute trifft. Klassische Beispiele sind Kneipen, Cafés, Parks, Vereinsheime, Friseursalons und Bibliotheken.

Wer hat den Begriff Third Place erfunden?

Der amerikanische Stadtsoziologe Ray Oldenburg, gemeinsam mit Dennis Brissett, im Aufsatz „The Third Place" in der Zeitschrift Qualitative Sociology (1982). Bekannt wurde der Begriff durch Oldenburgs Buch The Great Good Place von 1989.

Was heißt Third Place auf Deutsch?

„Dritter Ort". Im deutschen Sprachraum ist der Begriff vor allem in der Stadtplanung und der Kulturpolitik gebräuchlich, etwa im nordrhein-westfälischen Förderprogramm „Dritte Orte: Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum".

Ist eine Bibliothek ein dritter Ort?

Ja, und einer der besten, die es in Deutschland noch flächendeckend gibt: kostenlos, offen für alle, ohne Konsumzwang, lange geöffnet. Nur beim Merkmal Gespräch als Hauptbeschäftigung hat sie es naturgemäß schwer.

Kann das Internet ein dritter Ort sein?

Nach Oldenburg nicht: Dritte Orte sind für ihn Phänomene von Angesicht zu Angesicht. Online sucht man sich außerdem aus, mit wem man zu tun hat. Am dritten Ort trifft man Menschen, die man sich nicht ausgesucht hätte, und genau das macht seinen Wert aus.

Wie finde ich einen dritten Ort in meiner Stadt?

Such etwas, das zu Fuß erreichbar ist, das regelmäßig zur selben Zeit stattfindet und zu dem du auch allein gehen kannst. Und geh mindestens dreimal hin. Vorher wird aus einem Lokal kein dritter Ort. Für 48 deutsche Städte haben wir konkrete Vorschläge zusammengetragen.

Was hat die App Thirdplaces damit zu tun?

Der Name kommt von genau diesem Konzept. Die App bringt Menschen an echten Orten zusammen, statt sie online zu halten: Du siehst offene Gruppen-Treffen in deiner Nähe und kannst mit einem Tap dazukommen. Kein Dating, kein Swipen.

Geh hin, wo etwas passiert.

Kein Einladungs-Code, keine Warteliste. App laden, Profil anlegen, und du siehst offene Treffen an echten Orten in deiner Nähe.